Bruno Habicher, Pozuzo Schicksal, Hoffnung, Heimat

POZUZO
Schicksal - Hoffnung - Heimat
Briefe - Berichte - Kommentare

von Bruno Habicher

erschienen im Dezember 2003
beim Berenkamp-Verlag
ISBN 3-85093-172-2
448 Seiten (inkl. 16 Seiten Bildteil)
€ 25.90 (exkl.Porto)

erhältlich im Buchhandel oder
über die Kontaktadresse des Autors:
<b.habicher@aon.at>

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1857 wanderten 180 Tiroler und 120 Rheinländer nach Peru aus und gründeten im Bergurwald am Ostabhang der Anden das Dorf Pozuzo, die einzige österreichisch-deutsche Kolonie der Welt. Die vom deutschen Baron Damian Schütz organisierte Gruppenauswanderung war eine der schicksalhaftesten des 19. Jahrhunderts, weil die Gruppe den versprochenen Weg vom Andenhochland in das zugewiesene Gebiet nicht vorfand, selbst Hand anlegen musste und sich erst 1859 endgültig am Rio Huancabamba niederlassen konnte.
Der Vertrag zwischen Peru und Schütz sah vor, innerhalb von 6 Jahren 10.000 katholische, arbeitsame und charakterfeste Deutsche ins Land zu bringen, um die Handelswege auf den Gewässern Amazoniens auszubauen und gleichzeitig agrarwirtschaftliche Impulse zu setzen. Das visionäre Projekt scheiterte. Spätere Versuche, das Projekt fortzusetzen, beschränkten sich 1868 auf die Einwanderung von weiteren 300 Tirolern und 21 Bayern.
Der Autor hat in seinem Buch nicht nur viele Briefe von Auswanderern und von den ebenfalls ausgewanderten Priestern Josef Egg, Josef Überlinger und Franz Schafferer, sondern auch unzählige Zeitungsberichte und Kommentare zusammengefasst, die für und gegen dieses groß angelegte Auswanderungsprojekt in den damaligen Printmedien veröffentlicht wurden.
Das Buch enthält u.a. auch die Chronik der Pfarre Pozuzo ab 1938, die interessantesten Eintragungen im Gästebuch der Pfarre Pozuzo ab 1955, das Theaterstück „Pozuzo – vergessen im Urwald“ anlässlich der 100-Jahr-Feier im Jahr 1959, die Listen der verschiedenen Autoritäten und ein überarbeitetes Verzeichnis der Namen der beiden Auswanderungsgruppen.


Buch-Rezension
von Mag. Gottfried Hörmanseder im „TIROLER CHRONIST“ Nr. 95 / August 2004 / Seite 46

Der vorliegende Band zu Pozuzo ist ein Lesebuch, ein Quellenband und eine interessante Abhandlung mit vielen neuen Aspekten zur Pozuzo-Forschung. Der Autor wählt im weitesten Sinne die Darstellung der Quellen als Grundlage seines Werkes. Das schmälert nicht die Leistung des Verfassers, sondern im Gegenteil, es erschließt durch die penible Recherche in halb Europa und Übersee teilweise völlig neue Sichtweisen. Ein interessanter Nebenaspekt ist die ausführliche Wiedergabe von Berichten und Briefen von Auswanderern nach Pozuzo in den damaligen Tageszeitungen in Tirol. Die Bevölkerung hier konnte geradezu regen Anteil nehmen am Schicksal der Auswanderer. Durch die ausführliche Wiedergabe auch deutscher Quellen ist es dem Leser möglich, zwar ein umfassendes, aber differenziertes Bild der damaligen Lage zu bekommen. Vor allem wird klar, dass die Frage der Auswanderung sehr breit und kontroversiell diskutiert und bewertet wurde. Wer sich in die Schilderungen vertieft, wird förmlich gefesselt von der Dramatik der Ereignisse. Die Wiedergabe der Eintragungen in der Pfarrchronik reichen im Buch bis 2001.
Im Anhang finden sich einige Daten und Namenslisten zu Pozuzo und das Theaterstück, das zur 100 Jahrfeier aufgeführt wurde („Pozuzo – vergessen im Urwald“).